Zweiter Sonderrundbrief Brasilienprojekt in Zeiten von Corona

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer des Gonzalinho-Projekts!

Im März haben wir euch/ Ihnen ja schon erklärt, warum wir in diesen Zeiten besondere Solidaritätsaktionen planen. Hier kommt nun die Fortsetzung. Danke auch für alle Extra-Spenden, die inzwischen auf unserem Konto eingegangen sind.

 

1. Das Gonzalinho-Projekt und die Produkte der Landlosenbewegung:

Inzwischen ist die Aktion für die Familien der Gonzalinho-Kinder angelaufen. Die Idee wurde vom Projekt-Team zusammen mit den Jugendlichen unseres Austauschs weiterentwickelt und sieht so aus:
Zusammen mit den Erzieherinnen des Teams besuchen die jugendlichen Austauschteilnehmer/innen die Familien an der Haustür (natürlich mit Abstand) und führen eine Bedarfserhebung durch: Können bzw. müssen die Eltern noch arbeiten? Erhalten sie einen Lohn? Werden teure Medikamente benötigt? Können die nötigen Lebensmittel noch eingekauft werden? Gibt es gravierende Probleme im Familiensystem?

 

 

Mit den Ergebnissen dieser Erhebung setzen sie sich zusammen und verteilt, zunächst auf dem Papier, die zur Verfügung stehenden Ressourcen – bis jetzt haben wir ein Minimum von 2000 Euro zugesagt, erhöhen das aber je nach Spendeneingang. Das Team zahlt jedoch den Familien kein Geld aus (leider sind viel zu viele der Eltern abhängig von verschiedenen Suchtmitteln), sondern liefert Warenkörbe, damit die Unterstützung auch wirklich bei den Kindern ankommt. Für den Lebensmitteleinkauf haben wir eine Zusammenarbeit mit der Kooperative der Landlosenbewegung MST beschlossen. Zu unserem Austauschprogramm gehörte ja schon seit der ersten Reise 2002 auch der mehrtägige Arbeitseinsatz in einer der Landreformsiedlungen der MST, so dass uns mit ihnen auch eine langjährige Partnerschaft verbindet. Die Rückmeldungen unserer Partner von der MST sind aktuell, dass sie sich bisher gut schützen können, weil sie durch weitgehende Subsistenzwirtschaft wenig Berührungspunkte mit möglichen Infektionsorten haben. Ökonomisch geraten sie dennoch zunehmend in Not, weil es schwieriger wird, ihre Produkte zu verkaufen: Ein wichtiges Standbein war immer die jeweilige Schulmensa der umliegenden Schulen, die jetzt – wie bei uns momentan auch – geschlossen sind. Außerdem sinkt die Kaufkraft der bisherigen Abnehmer auf den Dorfmärkten. Deshalb rannten wir mit der Idee, die Warenkörbe für die Familien mit ihren Waren zu befüllen, auf beiden Seiten offene Türen ein.

 

2. Das Chiquitano-Dorf Acorizal:

Die Soli-Aktion zugunsten des Indigenendorfes der Chiquitanos, von der wir im ersten Rundbrief geschrieben haben, ist vorläufig abgeschlossen. Mithilfe der Indigenenschutzbehörde FUNAI konnte der Kauf und Transport der Waren für 1000 Euro aus dem nächstliegenden Dorf (das ein paar Stunden entfernt liegt), organisiert werden, ohne dass sie ihre selbstverordnete Quarantäne durchbrechen mussten. Der „Caciqui“ Jose Arruda und Alexandra Leite, die in ihrer Dorf-Genossenschaft aktiv ist (siehe Bild mit Kind) haben an alle Familien des Stammes Grundnahrungsmittel wie Mehl, Reis, Bohnen, Salz, Öl etc. verteilt. Alexandra hat uns geschrieben, dass diese Lieferung jetzt den Bedarf abdeckt, bis die Ernte dessen, was sie nach der Regenzeit gepflanzt haben, ansteht.

 

 

Unsere nächsten Aktionen werden sein:

  1. die Arbeit der befreiungstheologischen Basisgemeinde „fé e vida“ von Padre Salomão und Vanda mit einer Spende zu unterstützen. In dieser Gemeinde am Stadtrand von Cáceres organisieren sich vor allem Menschen, die in der Umwelt-Bewegung aktiv sind. Ihr Schwerpunkt ist der Kampf für sauberes (Trink-)Wasser und der Schutz des Rio Paraguay als Lebensgrundlage für die Fischer, Kleinbauern und indigenen Uferbewohner. Sie machen mit dem selbstgebauten Hausboot der Gemeinde mit der Brasilien-AG 2021 eine mehrtägige Exkursion ins Herz des Naturschutzgebiets Pantanal.
  2. Auch an die Klinik in São Paulo, mit der unsere Partner vom Gemeinschaftsgärten-Projekt „Cidades sem Fome“ zusammenarbeiten, werden wir nächste Woche eine größere Geldsumme für Gesichtsmasken und Schutzkleidung schicken.

 

Mit solidarischen Grüßen, Katja Polnik und die Brasilien-AG.


« Vorheriger Eintrag ()

» Nächster Eintrag ()

Über diesen Eintrag