Sonderrundbrief in Zeiten von Corona

Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer des Gonzalinho-Projekts!

ausnahmsweise erhaltet ihr/ erhalten Sie außer der Reihe einen Rundbrief. Aber zur Zeit geschieht ja sowieso das meiste außerhalb des Gewohnten.

Auch wenn das Gonzalinhoprojekt ebenso geschlossen ist wie die Schulen, fließen unsere monatlichen Spenden selbstverständlich weiter, denn in einem Land mit fast nicht existierendem sozialen Netz schlägt die Krise natürlich mit spürbar weniger Abfederung zu als bei uns.


Wie die meisten von euch/ Ihnen wissen, sind wir ja über unseren Jugendaustausch nicht nur mit dem Kinderprojekt, sondern auch mit verschiedenen anderen Partnern verbunden. Heute haben wir 1000 Euro (5600 Reais) Spende an das Chiquitano-Dorf Acorizal gesendet, von dem Geld, das die aktuelle Brasilien-AG über Catering-Aktionen für die Reise erwirtschaftet hatte, die nun leider auf nächstes Jahr verschoben ist.

In den harten Zeiten, die jetzt kommen, soll das Geld nicht tatenlos auf dem Konto herumliegen, wenn es anderswo dringend gebraucht wird:
Die Chiquitanos haben für ihr Dorf absolute Quarantäne beschlossen (auch wenn der Präsidant Bolsonaro alles tut um die Corona-Schutz-Maßnahmen, die die Bevökerung mit großer Mehrheit wünscht, zu diskreditieren und aufzuheben). Niemand kommt rein, niemand geht raus („Ninguem entra, ninguem sai“). Sie werden im Dorf Acorizal mit ein paar Grundnahrungsmitteln autark sein, sobald die nächste Ernte der Pflanzen ansteht, die jetzt am Ende der Regenzeit gepflanzt worden sind. Das dauert aber noch 2-4 Monate. Das letzte Jahr war ungewöhnlich trocken, daher haben sie wenig Vorräte an Lebensmitteln. Zum Glück ist sauberes Trinkwasser kein Problem und auch der Fischfang ist ein wichtiger Faktor. Mit den 1000 Euro werden sie vor allem Medikamente und Lebensmittel für die Zeit bis zur Ernte kaufen. Die Dorfgemeinschaft hat eine Genossenschaft gegründet, um die Produkte zu verkaufen, die sie über den Eigenbedarf hinaus erwirtschaften, v.a. Lebensmittel und Kunsthandwerk. Der Vorstand wechselt alle zwei Jahre, aktuell ist es José Arruda Mendes. Er wird uns alle Belege der Einkäufe einscannen und die Abrechnung machen. Er hat uns erklärt, dass die FUNAI (die staatliche Indigenen-Schutzbehörde) den Transport der Waren ins Dorf übernehmen wird, so dass sie ihre selbstgewählte Quarantäne nicht durch die Einkäufe gefährden müssen. Wer die Chiquitanos noch nicht kennt und etwas über unsere Besuche bei ihnen erfahren möchte, kann sich auf unserer Homepage www.brasilienprojekt.org unseren neuen 20-Minuten-Film mit dem Titel „Tomaten für Kinder statt Soja für Rinder“ anschauen, der ein Wettbewerbsbeitrag war.

Noch eine Information: Unseren aktuellen FSJ-ler Julian mussten wir schweren Herzens zurückholen, weil alle Auslandsjahr-Freiwilligen zurückreisen mussten. Er ist gut wieder in Metzingen angekommen, auch wenn er viel lieber das Jahr dort beendet hätte. Danke, Julian, dass du dich mit so großem Einsatz und Erfolg dafür eingesetzt hast, dass alle Kinder Judo-Anzüge bekommen! Eine ehemalige Freiwillige, die seit Februar in Cáceres ist, hat sich entschieden, trotz Covid 19 vorläufig dort zu bleiben.

In den nächsten Wochen werden wir noch mehr Spenden nach Brasilien schicken.  Vor allem sprechen wir mit den Erzieherinnen des Projekts, wie existenziell die Not in den Familien der Gonzalinho-Kinder ist, haben aber auch die Situation unserer anderen Partner im Blick: die Umweltschutzorganisation „fé e vida“, die MST, Cidades sem Fome, …). Bevor wir jedoch blindlings Geld schicken, reden wir genau und ausführlich mit ihnen, wo es gebraucht und wofür es ausgegeben wird. Zum Beispiel arbeitet Hans Temp in Sao Paulo eng mit einer Klinik am Stadtrand zusammen, in der die meisten der Favela-Bewohner behandelt werden, die in den Gemeinschaftsgärten von Cidades sem Fome arbeiten. Dort werden vor allem Masken und Schutzkleidung benötigt.

Wer Leute kennt, die in der aktuellen Situation diese Spenden mit eigenen Beträgen ergänzen möchten, kann gerne unsere u.g. Spendenkontonummer weitergeben. Was in den nächsten Wochen über die festen Daueraufträge hinaus auf dem Konto eingeht, wird direkt weiter überwiesen. Es kann auch mit einem bestimmten Stichwort zweckgebunden gespendet werden.

Falls es jemanden interessiert, wieviel Prozent Transfer-Gebühren dabei anfallen: Bei einer Überweisung von 1000 Euro zahlen wir 13 Euro Gebühr. Der momentane Kurs ist in diese Richtung ungewöhnlich „gut“, das heißt, die 5600 Reais, die dort ankommen, sind sehr viel Geld.

Mit freundlichen Grüßen, Katja Polnik und die Brasilien-AG


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