Einsatz im Kinderprojekt – Die Erfolgsgeschichte geht weiter

Großer Erfolg unserer zwei Auslandsdienststellen für jugendliche Freiwillige in Brasilien

Vor nun fast zwei Jahren begann mit der Ankunft der zwei Metzinger Jugendlichen Uwe Zimmermann und Patrick Kotzur in Cáceres eine neu Ära im Gonçalinho-Projekt. Von nun an würde die Arbeit im Kinderhort, die bisher allein von brasilianischen Freiwilligen getragen wurde, von deutschen und brasilianischen Jugendlichen geteilt und gemeinsam geleistet werden. Damals schaute man voller Spannung auf die Ergebnisse dieses gewagten Experiments – nun nach knapp zwei Jahren Erfahrung und der nahen Ankunft eines dritten Teams zweier Mädchen im September kann man trotz der immer wieder auftretender Hürden und Herausforderungen auf zwei Jahre echte Erfolgsgeschichte zurückblicken, in dem das Projekt, alle Beteiligten und vor allem die dort betreuten Kinder viel profitiert haben.

 

Bildunterschrift: Auf dem Eingangsschild über dem Gonzalinho-Kinderprojekt steht auf Portugiesisch: „Partnerschaft mit der St. Bonifatiusgemeinde und dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Metzigen“

 

Drei beachtliche Erfolge hatte die Arbeit der ersten zwei Freiwilligen Patrick und Uwe: Sie bauten ein großes Sandfeld, in dem die Kinder Ballspiele machen konnten, sie halfen dabei, das benachbarte Grundstück dazuzukaufen, auf dem inzwischen ein Gemeinschaftsgarten angelegt ist und es gelang ihnen, mit den Brasilianern auf Augenhöhe zusammenzuarbeiten, so dass sie auch von den Kindern als gleichwertige Betreuungspersonen wahrgenommen und sehr geschätzt wurden.

Nach einem Jahr, im August 2010 kam es dann zum großen Abschiednehmen – mit viel Tränen verbunden!  –  und der Ankunft des zweiten Teams: Laura Stasch und Jonathan Krüger. Auch dieses Team befindet sich nun im letzten Monat seines Aufenthalts und damit in dem Moment, über das Jahr und die mit ihm einhergegangenen Veränderungen zu resümieren. Wie hat sich das Gonçalinho-Projekt weiterentwickelt, wie haben die zwei persönlich dieses Jahr erlebt?

Das erste Projekt der neuen Freiwilligen war der Gemeinschaftsgarten, in dem die Kinder ihren eigenen Salat, Lauch, Kohl, Paprika, Karotten und Tomaten pflanzten und pflegten. Dabei stand ihnen eine Gruppe Studenten von der Agrarschule in Cáceres mit Rat und Tat zur Seite. Zusammen mit den Kindern legten sie auf dem verwilderten Grundstück Beete an, pflanzten die ersten Setzlinge und organisierten den Wochenend- Bewässerungsdienst. Dass sich die Kinder um diesen Job rissen, zeigt, wie verbunden sie sich dem Gartenprojekt fühlen.

 

Damit verbunden ist auch ein bewussterer Umgang mit dem, was gekauft und gegessen wird. Unter dem Einfluss von Laura und Jonathan wird jetzt in vielseitigeres und gesünderes Essen investiert.

Eine besondere Veränderung ist auch, dass die Kinderzahl in diesem Jahr stark angestiegen ist. Bei einem gemeinsamen Gang durch das Viertel stellten die deutschen und brasilianischen Betreuer/innen fest, dass es noch großen Bedarf gibt und luden all all diese Kinder ein, ins Projekt zu kommen. Seitdem betreut das Projekt ungefähr vierzig Kinder. Es wurden neue Stifte, Teller, Besteck und weitere Teppiche zum Spielen gekauft, sodass das Projekt der größeren Kinderzahl gerecht werden kann.

 

Ein weiterer wichtiger Schritt war die Gründung des Vereins SECIBA, der den juristischen Rahmen bildet für das Gonzalinhoprojekt, die zwei  Auslandsdienststellen und den Jugendaustausch zwischen Metzingen und Cáceres. Die Gründung dieses Vereins bedeutet eine sehr wichtige Autonomie für das Projekt, so ist nun u.a. die Arbeit der Freiwilligen auch von Seiten der brasilianischen Behörden offiziell anerkannt und das Projekt kann Partnerschaften mit anderen Institutionen der Zivilgesellschaft eingehen.

Durch die Erstellung eines Jahresplanes und durch wöchentliche Planungssitzungen konnte das Projekt für die Kinder abwechslungs- und lehrreicher  gestaltet werden. Die Freiwilligen erarbeiteten mit den Brasilianerinnen zusammen pädagogische Zielvorstellungen, die sie im Lauf des Jahres Schritt für Schritt umsetzten. Beispielsweise gab es Projektwochen zu den Themen „Die 5 Sinne“, eine Umweltwoche unter dem Motto „Die 4 Elemente“ zum internationalen Fischereifestival vor Ort und zum Thema Ernährung. Während der Ernährungswoche besichtigten die Kinder eine Bäckerei und verglichen die Realität eines kleinen Supermarkt im Viertel mit dem neuen großen Einkaufszentrum von Cáceres. Unter anderem half bei der Realisierung eine Partnerschaft mit der Polizei, die die Kinder mit dem Mannschaftsbus zum entfernten Supermarkt fuhr. Auch veranstalteten sie Ausflüge zur Post, zur Agrarschule und zu anderen Orten der Stadt, an die die Kinder des Stadtviertels Cavalhada normalerweise nicht kommen, und erweitern so ihren Horizont und ihre Handlungsmöglichkeiten.

Ein großer Erfolg  war, dass Pädagogikstudenten der örtlichen Universität als Praktikum eine Woche mit den Kindern gestalteten. Diese Verknüpfung des Projekts mit Menschen und Institutionen aus verschiedensten Bereichen vor Ort ist für das Projekt sehr wichtig. In diesem Sinne waren auch die verschiedenen Feste ein großer Erfolg, die das Gonzalinhoprojekt für und mit den Bewohnern des Viertels vorbereitet hat. Bei diesen Festen haben die Kinder zum Beispiel durch den Verkauf von Mahlzeiten eines Gerichts, das anhand von Lebensmittelspenden gekocht wird, Geld für Verbesserungen im Projekt eingenommen, sie haben Tänze einstudiert und vorgeführt, Wettspiele organisiert wie Dosenwerfen, Prämien-Fischen, Bingo und Kuchenversteigerungen. Ein noch größerer Vorteil als die finanziellen Möglichkeiten, die die Einnahmen bei so einem Fest schaffen, ist vor allem, dass das Projekt bei den Bewohnern des Stadtteils bekannter wird und sie sich durch die aktive Beteiligung damit stärker identifizieren. Sie sehen das Gonzalinhoprojekt zunehmend als Teil des sozialen Lebens im Stadtviertel.

 

In Metzingen beginnt am 12. Juli mit der Ankunft einer Gruppe von elf Brasilianern wieder eine deutsch-brasilianische Jugendbegegnung, zu deren Vorbereitung Laura und Jonathan das Jahr über mit allwöchentlichen Englisch-Stunden und der Übernahme von koordinierenden  Aufgaben beitrugen. Mit diesen zwei Ereignissen wird das Jahr einen schönen Schlusspunkt finden und Laura und Jonathan schauen selbst beeindruckt auf diese von großen Herausforderungen geprägte Zeit zurück, vor allem beeindruckt davon, wie sie trotz des Vielen, was sie in diesem Jahr erlernen und an das sie sich anpassen mussten, einen gleichwertigen Beitrag zu dem Produkt der Arbeit aller Freiwilligen leisten konnten. Deswegen sind sie allen Personen, die dies ermöglichten, vor allem auch der durch die Bonifatius-Gemeinde geleisteten Unterstützung sehr dankbar und wünschen ihren Nachfolgern, den beiden Mädchen Isabella Mangei und Irina Kaplan, für ihren Antritt des Freiwilligendienstes und auch dem Projekt selbst für die kommende Zeit viel Erfolg und alles Gute.

Das Programm der Brasilianischen Gäste in Deutschland gibt es hier zum Herunterladen   


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