Oi, tudo bem? – Brasilianer in Metzingen

Im Rahmen des Deutsch-Brasilianischen Jugendaustauschs der St.Bonifatius Gemeinde (in Kooperation mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Metzingen) waren vom 17.Juli – 09.August 2009 elf junge Brasilianer und Brasilianerinnen in Metzingen zu Gast. Sie waren zwischen 18 und 26 Jahren alt und sind alle in sozialen Bewegungen, sei es die Landlosenbewegung MST, eine Basisgemeinde oder die Straßenkinderbewegung, aktiv.
„Oi – tudo bem?“ was auf Deutsch so viel heißt wie „Hallo wie geht’s?“ war das einzige, was viele am Flughafen bei der ersten Begegnung über die Lippen brachten. Nach den drei Wochen, in denen die Brasilianer in Deutschland waren, konnten aber am Ende schon tiefgründigere Gespräche in portugiesischer Sprache geführt werden. Anfangs gab es in einigen Familien Verständigungsschwierigkeiten, doch mit Händen und Füßen konnte man sich dann doch irgendwie verständigen; und sonst hatte man ja auch immer noch das „dictionario“ (Wörterbuch), das natürlich nie im Rucksack fehlen durfte.
Das Programm war sehr vielseitig: die Jugendlichen besuchten mit ihren Austauschpartnern die Schule, nachmittags besuchte man zum Beispiel den Weltladen oder den Biolandhof Bleiche, am Wochenende feierte man zusammen oder traf sich am Baggersee. Die Lebensfreude der Brasilianer war einfach ansteckend, sie hatten immer einen „brincadeira“ (Scherz) auf Lager, und oft wurde einfach die Gitarre ausgepackt und dazu gesungen. Es gab natürlich auch Dinge, über die man sich uneinig war – so gehen die Deutschen den Brasilianern zum Beispiel eindeutig zu schnell und das Zuspätkommen der Brasilianer war auch schon legendär.
Gegen Ende der drei Wochen machte man sich dann noch gemeinsam auf die Reise, es ging drei Tage auf eine Selbstversorgerhütte in die österreichischen Alpen und eine Woche in die Bundeshauptstadt Berlin. Das größte Highlight für die südamerikanischen Gäste war es, Schnee zu sehen, da kam es natürlich gleich zur Schneeballschlacht und auch ein Schneemann wurde gebaut. Die Brasilianer lernten kennen, dass man auch in Deutschland in einfachen Verhältnissen – wie hier ohne Dusche und nur mit kaltem Wasser – leben kann. In Berlin informierte man sich über die wichtigsten Stationen deutscher Geschichte, lernte das Großstadtleben kennen und natürlich durften auch Sehenswürdigkeiten wie der Reichstag oder die East-Side-Gallery nicht fehlen. Ebenso beschäftigte man sich in den Stadtteilen Kreuzberg und Marzahn mit der Integrationsproblematik.
Wieder in Metzingen stand noch ein Reflexionsmittag an und dann hieß es auch schon Abschied nehmen. Beim Abschiedsfest am letzten Abend wurde noch einmal ausgiebig gegrillt, gefeiert und getanzt. Aus den brasilianischen und deutschen Jugendlichen sind gute Freunde geworden. Man lernte so einiges voneinander, sei es die brasilianische Gelassenheit oder, dass die Deutschen auch sehr gastfreundlich sein können.
Auch wenn der Abschied schwer fiel: für die deutschen Jugendlichen, die nächsten Sommer nach Brasilien fahren hieß es schon mit Vorfreude „até proximo ano!“ (bis zum nächsten Jahr!).


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