Das Pantanal
Am 23./24.8. machen wir uns auf zu einem Ausflug ins Pantanal. Während wir morgens per Motorboot zu unserem Chalet (Hausboot) fahren, fällt uns schon die Schönheit der Natur und die Artenvielfalt auf: Wir sehen Jacarés, Tuiuiu und andere bunte Vögel.
Doch das hochkomplexe Biosystem Pantanal lernen wir erst am Abend, bei einem Vortrag kennen: Das Pantanal ist das größte Überflutungsgebiet der Welt und liegt im Grenzgebiet von Brasilien, Bolivien und Paraguay. Jedes Jahr durchläuft es zwei Phasen: eine Trockenperiode und eine Regenzeit, welche ausschlaggebend für das biologische Gleichgewicht sind. In der Trockenzeit besteht das Pantanal aus dem Rio Paraguay, seinen Nebenflüssen und Waldgebiet. In der Regenzeit steigen die Flüsse sosehr an, dass die Waldgebiete größtenteils überflutet werden und es nur noch wenige Inseln gibt, die trocken bleiben. Die Flusssedimente werden vom Regen aufgewühlt; dadurch erreicht die Wasserpflanzen weniger Licht und ihre Sauerstoffproduktion durch Photosynthese sinkt. Der verringerte Sauerstoffgehalt im Wasser löst ein vermehrtes Fischsterben aus. Im ersten Moment mag das Fischsterben zwar bedenklich erscheinen, jedoch ist es Teil der natürlichen Nahrungskette im Pantanal: Die toten Fische dienen den Kaimanen und Vögeln während ihrer Brutzeit als Nahrung. Die Regenzeit hat auch Auswirkungen auf den Flusslauf. Während der Fluss normalerweise von Norden nach Süden fließt, entsteht während der Regenzeit das so genannte „Pulsierende Wasser“. Das geringe Gefälle von 1cm pro Kilometer löst aus, dass das Wasser, das vor allem im Süden abgeregnet wird, sich nach Norden verteilt und somit eine vorübergehende Richtungsänderung des Rio Paraguays zu Folge hat.
Der Rio Paraguay, der der Hauptfluss des Pantanals ist, wird auch als Verkehrsweg genutzt. Riesige Floße fahren kilometerweite Strecken, um Waren wie Mehl oder Reis zu transportieren. Unglücklicherweise sind diese Floße zu groß, um die zahlreichen Kurven des Flusses problemlos zu befahren. Sie stoßen in den Kurven ans Ufer, tragen einen Teil davon ab, zerstören die Vegetation und zusätzlich reißt der Wellengang der Frachter die gelockerten Sedimente mit sich. Über Jahre hinweg wird so der Fluss begradigt und Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen zerstört werden. Zum Schutz der Natur gibt es bereits ein Gesetz, welches die Größe der Frachter begrenzt. Da dem Staat aber leider mehr am Geld, das der Schiffsverkehr einbringt, als am Umweltschutz liegt, wird die Umsetzung des Gesetzes nicht oder kaum kontrolliert.
Es hat uns sehr betroffen gemacht, dass diese wunderschöne und einzigartige Naturwelt nur des Geldes wegen zerstört wird, wenn sich weiterhin nichts ändert.
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Über diesen Eintrag
- Veröffentlicht:
- 25. August 2008 / 12:49
- Kategorie:
- Reise

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