Centro de Direitos Humanos

Am 18.8.08 statten wir dem Centro de Direitos Humanos, dem Menschenrechtszentrum, einen Besuch ab. Dieses Zentrum wurde vor 20 Jahren gegründet, aus der Notwendigkeit, Menschen zu helfen, die sich in einer schwierigen Situation befinden. So setzt sich beispielsweise die brasilianische Regierung laut den Mitarbeitern des CDH viel zu wenig für die Rechte indigener Populationen ein, sodass diese Völker immer mehr an den Rand der Gesellschaft gedrückt werden. Im Menschenrechtszentrum arbeiten vier fest angestellte Personen und mehrere Freiwillige. Es gibt Sponsoren, darunter Misereor und ein brasilianischer Sponsor, die die Aktion unterstützen.

Früher hat sich der Kampf für die Menschenrechte vor allem auf von der Diktatur Unterdrückte oder Gefangene konzentriert, heute hat sich der Kampf ausgeweitet auf Lebensweise, Freiheit, Kultur, Gerechtigkeit und Freizeit. Das Ziel, dass jeder Mensch frei leben und frei Entscheidungen treffen kann, ohne von Anderen behindert zu werden, wird auf unterschiedliche Art und Weise verfolgt. Die Mitarbeiter des CDH begleiten die Menschen bei Gerichtsverfahren, organisieren Protestmärsche und Seminare, betreiben Aufklärung und unterstützen Projekte, insbesondere solche, die sich um Jugendliche kümmern.

Die größten Probleme Brasiliens sind laut CDH die ungerechte Landverteilung, d.h. viel Land in den Händen weniger Großgrundbesitzer bzw. ausländischer Firmen, während die meisten Kleinbauern gar kein Land besitzen; die Diskriminierung von Indianern, denen man kein Territorium zuspricht, obwohl es ihnen zustehen würde und die Korruption im Land. Auch Sklavenarbeit, in der westlichen Welt oft als ein Problem vergangener Tage angesehen, gehört in Brasilien immer noch zu den Themen, die Menschenrechtler vor eine Herausforderung stellen. Allein im letzten Monat konnten 300 Sklavenarbeiter von ihren Fazendas, auf denen sie unter menschenunwürdigen Umständen leben und arbeiten mussten, befreit werden.

Erfolge hingegen ließen sich schon erzielen beim Durchsetzen von Gesetzen für Kinderschutz und gegen häusliche Gewalt, oder beim Kampf um Frauenrechte.

Nachdem die deutschen Schülerinnen und Schüler einen kleinen Einblick in den Alltag des Zentrums erhalten haben, stehen viele Fragen offen: In welchen Fällen ist Abtreibung in Brasilien erlaubt? Gibt es Diskriminierung von Homosexuellen? Und wie sieht es mit Sterbehilfe aus? Als allgemeine Antwort lässt sich sagen, dass all diese Dinge in der Gesellschaft noch keine wesentliche Bedeutung haben, da bislang gravierendere Probleme im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Zudem hat die katholische Kirche einen starken Einfluss auf Leben und Wertvorstellung der Menschen und auch auf das CDH, dessen Mitglieder wie die meisten Brasilianer stark gläubig und Mitglieder der Kirche sind.

Durch diese Diskussion zum Nachdenken gebracht, verliessen einige Teilnehmer die Gesprächsrunde mit dem festen Vorsatz, ihr Verständnis für die brasilianische Realität im Gespräch mit den Gastfamilien zu vertiefen und sich in Zukunft intensiver mit Menschenrechten zu beschäftigen.


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